Zucker – das eigentliche Schreckgespenst der Pferdefütterung

 

Lange Zeit spielte Zucker in der Pferdefütterung kaum eine Rolle. In den letzten Jahren hat sich das jedoch deutlich geändert. Häufig wird dabei Fruktan als Hauptverursacher von Stoffwechselproblemen und insbesondere von Hufrehe genannt. Tatsächlich greift diese Sichtweise jedoch zu kurz. Nicht eine einzelne Zuckerform ist das Problem, sondern die insgesamt zu hohe Zuckeraufnahme.

 

Hufrehe zählt zu den schmerzhaftesten und folgenschwersten Erkrankungen beim Pferd. Der Verlauf ist oft ungewiss, die Auswirkungen gravierend. Umso wichtiger ist es, die tatsächlichen Ursachen zu verstehen – und diese liegen in den meisten Fällen in einer dauerhaften Überversorgung mit Zucker.

 


 

Was steckt wirklich dahinter?

 

Zucker ist ein Sammelbegriff für verschiedene wasserlösliche Kohlenhydrate, zu denen unter anderem Glukose, Fruktose, Saccharose, Stärkevorstufen und Fruktane zählen. Pflanzen bilden Zucker durch Photosynthese und nutzen ihn als Energiequelle für Wachstum, Blüten- und Samenbildung oder lagern ihn als Reserve ein.

Das Entscheidende:


🌱 Zucker wird das ganze Jahr über gebildet
🌱 Abgebaut wird er nur durch aktives Pflanzenwachstum

 

 

Ist das Wachstum durch kalte Nächte, Trockenheit, Stress oder Verbiss eingeschränkt, steigt der Zuckergehalt im Gras – unabhängig davon, um welche Zuckerform es sich handelt.

Gras, Wachstum & Zuckeranreicherung

 

Gräser können Zucker an nahezu jedem sonnigen Tag bilden. Verwerten können sie ihn jedoch nur dann, wenn ausreichende Wachstumsbedingungen herrschen. Besonders kritisch sind daher:

  • Frühling

  • Herbst

  • sonnige Tage mit kalten Nächten

  • Trockenstress

  • überweidete oder kurz gefressene Flächen

In diesen Phasen steigt der Gesamtzuckergehalt im Gras deutlich an.


 

Zuckerreiche Gräser – ein unterschätztes Problem

Bestimmte Gräser speichern besonders viel Zucker, darunter:

  • Deutsches Weidelgras

  • Hybrid-Weidelgräser

  • Wiesenschwingel

Diese Gräser werden gezielt in der Rinderhaltung eingesetzt, da ein hoher Zuckergehalt Milch- und Mastleistung steigert. Genau diese Eigenschaften sind jedoch für Pferde problematisch.

 

Durch landwirtschaftliche Intensivierung, frühe Schnitte, Überweidung und hohe Belastung haben sich diese zuckerreichen Gräser massiv ausgebreitet – sowohl auf Weiden als auch im Heu.

Artenvielfalt als Schlüssel zur Zuckerreduktion

 

Früher waren Wiesen artenreich. Heute dominieren wenige, leistungsstarke Gräser. Damit steigt automatisch die Zuckerbelastung im Grundfutter.

Artenvielfalt bedeutet:

  • unterschiedliche Zuckerprofile

  • mehr Rohfaser

  • langsamere Zuckerfreisetzung

  • bessere Verträglichkeit für den Pferdestoffwechsel

🌼 Blütenreiche, extensiv genutzte Wiesen sind kein Romantikkonzept, sondern eine stoffwechselphysiologische Notwendigkeit.


Zucker im Pferdestoffwechsel

 

Pferde nehmen über das Grundfutter kontinuierlich Zucker auf. Glukose wird im Dünndarm resorbiert und gelangt über das Pfortader Blut in die Leber. Diese entscheidet über:

  • sofortige Nutzung

  • Speicherung als Glykogen

  • Umwandlung in Fett

Die Leber ist dabei das zentrale Steuerorgan des Zuckerstoffwechsels – und gleichzeitig das am stärksten belastete.

❗ Wird dauerhaft zu viel Zucker aufgenommen:

  • steigt der Blutzuckerspiegel

  • Insulin wird ständig ausgeschüttet

  • Fettdepots entstehen

  • Insulinrezeptoren verlieren ihre Sensibilität

➡️ EMS, Insulinresistenz und PPID sind die logische Folge – nicht die Ausnahme.


Der Teufelskreis aus Zucker & Stress

 

Zuckerreiche Fütterung und Stress verstärken sich gegenseitig:

  • Stress → Adrenalin → Insulinhemmung

  • erhöhter Blutzucker → weitere Fetteinlagerung

  • Fettgewebe → hemmt Insulinwirkung

Das Pferd gerät in eine stoffwechselbedingte Abwärtsspirale, die sich äußerlich u. a. zeigt durch:

  • Speckkamm

  • Fettdepots an Kruppe und Rumpf

  • Trägheit trotz Übergewicht


Weide, Heu & Zucker – was wirklich zählt

 

Entscheidend für den Zuckergehalt sind:

  • Grasart

  • Witterung

  • Tageszeit

  • Schnitthöhe

  • Düngung

  • Nutzungsintensität

Kurz gefressene Weiden stehen unter Stress und lagern besonders viel Zucker ein. Ebenso sind sonnige Tage mit kalten Nächten ein massiver Zucker-Booster.


Was hilft wirklich?

 

✔ angepasstes Weidemanagement
✔ ausreichende Ruhephasen
✔ höhere Schnitthöhen
✔ gezielte, bedarfsgerechte Düngung
✔ Förderung der Artenvielfalt
✔ strukturreiches, zuckerärmeres Heu
✔ ausreichend Bewegung
✔ hochwertige Proteinversorgung


Fazit

 

Nicht Fruktan allein ist das Problem.
Das eigentliche Problem ist die dauerhaft zu hohe Zuckeraufnahme über das Grundfutter.

Wer Zucker reduziert, entlastet:

  • Leber

  • Bauchspeicheldrüse

  • Huflederhaut

  • gesamten Stoffwechsel

Meine persönliche Überzeugung:


🌱 Artenvielfalt ist der nachhaltigste Weg, um Zucker in der Pferdefütterung langfristig zu reduzieren.

 

 

Gegen das Wetter sind wir machtlos –
gegen ein schlechtes Weide- und Fütterungsmanagement nicht.

Pferde sind natürlich auch Feinschmecker. Das bedeutet sie fressen süßes Gras lieber als saures. Das gilt sowohl für das Grünfutter als auch das  Heu. Würden unsere Bestände aber ausschließlich saure oder zuckerarme Gräser fressen können, wäre es vielleicht eher möglich ihnen längere Weidezeiten und mehr Raufutter zur Verfügung zu stellen. 24 Stunden Heu zur freien Entnahme funktioniert leider bei vielen unserer Pferde nicht mehr. Das liegt unter anderem natürlich auch an den erhöhten Zucker- und Fruktanwerten. Dasselbe gilt für eine Ganztagsweide. Auch hier stellen die hohen Gehalten der wasserlöslichen Kohlenhydrate (Zucker) ein massives Problem dar. Somit empfehle ich jedem Pferdehalter sich mit seinem Gräserbestand auf der Weide und auch auf den Mähweiden zu beschäftigen. Das bedeutet Gräser zu bestimmen, eventuell Bodenproben zu nehmen, gezielt zu düngen, zuckerärmeres "Heu" anzusäen und damit eine gesündere Futtergrundlage für die Pferde zu schaffen.

 

Gibt es Möglichkeiten Fruktan zu verringern?

 

Richtiges und gezieltes Düngen kann durchaus zu einer Fruktanreduktion im Gras und im Heu führen. Hierbei ist es aber wichtig zu beachten mit welchem Dünger und zu welcher Zeit man arbeitet. Stickstoff- und Kaliumdünger während der frühen Wachstumsphase und in der richtigen Menge bewirken durchaus einen abfallenden Fruktangehalt.

 

Wie intensiv eine Weide oder Mähfläche genutzt wird nimmt auch Einfluss auf die Pflanzenentwicklung und in weiterer Folge auf den Fruktangehalt. Gut geplante Nutzung der Weidefläche könnte somit ein wichtiger Bestandteil für ein gesundes Weidemanagement für unsere Pferde sein.

 

Viele Pferdebesitzer sind der Meinung abgenagte Pferdeweiden sind kein Problem, da wächst ja eh nichts mehr. Kurzgenagte Graslandschaften erzeugen aber extrem viel Fruktan, da dieses kurzgenagte Gras ständig unter Stress steht und somit sehr viel Fruktan einlagert um sich vor dem Verbiss zu schützen. Daher empfehle ich ein gut durchdachtes Weidemanagment. Weiden sollten nicht bis auf die Grasnarbe abgenagt werden, sondern sollten Wechselbeweidet werden. Aber was bedeutet das genau? Die Wiesen brauchen nach einer Weidesession immer eine Regenerationsphase, der Aufwuchs auf der Weide sollte mindestens die Höhe einer Bierflasche haben (min. 25 cm) bevor die Pferde die Weide begrasen dürfen. Ein gut geplantes Weidemanagement wäre eine Beweidung dieser Fläche für ca. 10 Tage und danach sollte eine Ruhephase eingelegt werden, denn nach 10 Tagen fängt das gefressene Gras wieder an in eine Wachstumsphase zu gehen. Lässt man Pferde aber länger auf der Weide beginnen sie eher wieder den Aufwuchs abzunagen als den Altbestand zu fressen, weil der neue Aufwuchs zuckerreicher ist und damit besser schmeckt. Abgefressene Weiden sollten dann in eine Ruhephase von ca. 4 Wochen gehen, damit für die nächste Weideperiode der Aufwuchs wieder die gewünschte Höhe, also das ideale Verhältnis von Rohfaser und Protein hat und somit auch Fruktan gut verbraucht wurde. Studien besagen, dass eine genutzte Grasfläche nach 4 Wochen der Nutzung am wenigsten Fruktan aufweist, da das Gras das eingelagerte Fruktan für rasches Wachstum verbraucht. Nach dieser Zeit stagniert der Verbrauch wieder, da das Wachstum langsamer voranschreitet.

 

Meine Erfahrung hat auch gezeigt, dass oft der zweite Schnitt Heu weniger Gesamtzucker und Fruktan aufweist als der erste. Dies könnte eben daraus resultieren, dass der zweite Aufwuchs in der wärmeren Jahreszeit geschieht und eben durch den zweiten Aufwuchs das Gras mehr Fruktan verbraucht. Aber auch hier muss man aufpassen! Je später der zweite Schnitt gemacht wird und je kälter die Nächte werden, desto höher wiederum der Fruktangehalt. Wie bereits erwähnt sind kalte Nächte und sonnige Tage der Booster für Fruktaneinspeicherungen im Gras.

 

Zusammenfassend kann man also sagen, es ist durchaus möglich den Fruktangehalt im Heu und im Gras positiv wie negativ zu beeinflussen. Wetter, Düngung, Grassorten, Weidemanagment sind die beeinflussenden Faktoren. Vor allem beim An- und Abweiden im Frühjahr und im Herbst ist auf Grund der Temperaturen Vorsicht geboten.

 

Meine Botschaft: Achtet auf ein gutes Weidemanagment und kümmert euch in Punkto Düngung und Pflege gut um eure Weiden um den Pferden ein gutes und vor allem gesundes Raufutter zur Verfügung zu stellen. Für mich persönlich ist der wichtigste und erfolgversprechendste Punkt die Artenvielfalt wieder herzustellen und diese so gut es geht zu erhalten um den zuckerhaltigen Gräsern Einhalt zu gebieten. Denn gegen das Wetter ist man ja Gott sei Dank machtlos. Hier kann man nur drauf achten, die Pferde zum korrekten Zeitpunkt auf die Weide zu stellen oder Grasweiden wirklich nur ganz gezielt anzubieten. 

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